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500ml Social Media?

Der aktuelle Status ist nicht wirklich aufbauend. Schade eigentlich!
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Ja, ich bin ein Kind der 70/80er und kenne noch Aludosen ohne Pfand, Mc Donalds-Verpackungen aus Styropor und Wählscheibentelefone. Mobil war lediglich der Rucksack. Jetzt sind wir „Always ON“ und scannen QR-Codes von Verpackungen, welche sicherlich nicht mehr aus Styropor sind.

Und genau jetzt geht ein Aufschrei durch das „Neuland“. Wie kann es sein, dass ausgehend von Australien unsere Jugend einem „Kettenbrief“ auf Facebook namens „BEER or PUSSY“ erliegt? Hier wird dazu aufgerufen innerhalb von 24 Std. ein Hopfenkaltgetränk mit 500 ml Inhalt (bei uns a Halbe) zu trinken, sich dabei zu filmen und dieses Video mittels Sozialer Netzwerke wie Facebook zu verbreiten. Anschließend werden aus dem Onlinefreundeskreis die nächsten drei nominiert. Wie konnte das nur passieren? Am Pranger stehen bei dieser Diskussion in erster Linie die Alkohol konsumierenden Jugendlichen und nicht der Akt der Veröffentlichung.

Das aber zeigt wie so oft, die Hilflosigkeit im Umgang mit Medien. Hier kennen wir uns nicht aus – mit trinken schon, das wird dann auch als die eigentliche Schandtat klassifiziert. Ich möchte zur Sicherheit hier klarstellen, dass ich unter keinen Umständen den Alkoholkonsum verharmlosen möchte und das Thema nicht verniedlichen. Es ist nur im vorliegenden Fall nicht das Thema.

Dazu werde ich nochmals einen Zeitsprung machen und ein paar Fragen an meine Generation stellen. Erinnert ihr euch an die ersten Redbull-Wodka-Mischungen? Redbull war zu dieser Zeit zum Verkauf in Deutschland verboten und wurde aus unserem freundlichen Nachbarland Österreich „geschmuggelt“! Erinnert Ihr euch an die Waldfeste in eurer Jugend? Ach ja, und dann wurden auch unsinnige Sachen aus Filmen der Nordamerikanischen Filmindustrie nachgeahmt, z.B. das Aufstechen von Dosen und die direkte Entleerung (Ja! Auf ex!). Jetzt würde ich sogar darauf wetten, dass dies auch in der Öffentlichkeit erfolgte und sich so manches Foto in Kellerarchiven finden lässt …

Nur! Wir haben diese Fotos nicht unseren Bewerbungsunterlagen beigelegt.

Das Scheinheilige an der aktuellen Diskussion ist die Verurteilung der Sache bzw. der Akt des Trinkens – auch das ist sicherlich nicht wirklich unterstützenswert, aber nicht Kern der Sache. Selbst das Filmen mit persönlichen Freunden und mal darüber lachen ist nicht der Kern.

Aber, das Ganze über eine öffentliche Pinnwand – in diesem Fall Facebook, zu verteilen. Oder überspitzt gesagt, seiner digitalen Bewerbung beizulegen ist das Problem.

Da unsere Jugend den Umgang mit diesen Medien aber leider selbst erforschen muss und eigentlich kaum Hilfe über Familien und Schulen vorliegt, wird sich unsere Wirtschaft und Wissensgesellschaft an privaten mit kreativen Aussetzern geschwängerten Onlineprofilen (zumindest für eine Generation) gewöhnen müssen.

Vielleicht finden wir aber doch noch einen Weg, unseren Kids eine vernünftige Medienkompetenz zu vermitteln.

Der aktuelle Status ist nicht wirklich aufbauend. Schade eigentlich!

PS: Artikel spiegelt die Meinung des Verfassers wieder.

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