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6.30 Uhr – Die ganze Nacht strömender Regen und keine Besserung in Sicht. Die Reise beginnt also gleich mit einer Entscheidung und nicht im Freien sondern noch am heimischen Rechner. Risiko? Gleich komplett nass werden oder doch auf Nummer sicher gehen und jetzt schon auf ein anderes Verkehrsmittel wechseln? Ab München gäbe es noch die Möglichkeit nach Wien mit dem Fernbus für gerade einmal 19,- €, dieser kommt aber erst um 16 Uhr in Wien am Flughafen an. Das wäre es dann für den ersten Tag.

So, ich gehe jetzt erstmal duschen und beschäftige mich dann mit dem Regenradar. OK – die Entscheidung ist gefallen. Zum Dinzler frühstücken, auf ein kleines Regenloch warten – dann los. Mit Zweifeln wegen dem Wetter geht es nach dem Frühstück um 9:17 Uhr am Irschenberg auf die Reise.

Und gleich der erste Fehler. Einige Parklätze, welche ich auf dem Plan hatte sind aufgrund der aktuellen Baustellensituation an der A8 gesperrt und lassen sich gar nicht mehr anfahren. Also muß ich mit meiner ersten Mitfahrt Richtung Innsbruck und mich dann wieder Richtung Salzburg zurückhangeln. Nach drei Lifts bin ich gegen 14 Uhr in Salzburg. Leider ist die Raststätte in Salzburg von wienwilligen Trampern etwas überbevölkert. Auch der wieder einsetzende Regen macht die Sache nicht einfacher. Also warten, warten, warten und entspannt Kaffee trinken – ich bin ja nicht auf der Flucht.

Ich bin jetzt erst ein paar Stunden unterwegs und erstmal kommen schon die Gedanken ob der Richtigkeit meines kleinen Trips. Auf der einen Seite ist es die Freiheit von Zeit und Ort gelöst zu sein. Auf der anderen Seite stehen das Reisen ohne Frau, Kinder & Co.. Es ist eben doch schon Jahrzehnte her wo mein Rucksack mein Reisebegleiter war. Ich habe das Gefühl egoistisch zu handeln und gleite in das gedankliche Philosophieren ab. Nachdem ich die ersten Zeilen in mein analoges Reisetagebuch niedergeschrieben habe gehts schon wieder und ich bin vom Ehrgeiz gepackt. Der Regen lässt auch nach und wird mir auf meiner Reise nicht wieder begegnen. Die Entscheidung bei Regen zu starten war also richtig.

Die ersten Stationen machen mir wieder einmal sehr deutlich klar in welcher scheinheiligen Spießerwelt wir leben. Fast alle sind nach Schilderung meiner Reisepläne etwas neidisch. Halten es zwar für komplett verrückt aber irgendwie auch toll und spannend. Sobald wir aber alle in unserem deutschen liebsten Kind dem Auto sitzen schotten wir uns von der Aussenwelt ab und verurteilen sogar Menschen, welche mit Schild und Rucksack einfach mal so an der Straße stehen. Auf der gesamten Reise hat mich nur ein Auto mit deutschem Fahrer und das für ganze 5 km mitgenommen – dazu in einem späteren Beitrag aber mehr.

Nach längerem Warten in Salzburg scheine ich doch Glück zu haben. Zuerst geht es mit einem Champagnerhändler in der Luxuslimousine bis hinter Wien und von da aus fast ohne warten mit zwei ungarischen Musikern der Band Airtist bis hinter Budapest.

Es ist kurz nach 22 Uhr und stockdunkel. Ich muß eine Entscheidung treffen. Versuchen in der Nacht weiterzukommen oder doch eine Mütze Schlaf nehmen. Entscheide mich für Schlaf und versuche mir abseites der Autobahn ein kuscheliges Pätzen in der ausgedehnten Heidelandschaft des ungarischen Hinterlands zu suchen. Man hab ich schiess! Mitten in der Nacht mit Stirnlampe bewaffnet sein Nachtquartier aufzuschlagen gehört nicht wirklich zu meinen gewohnten Alltagssituationen. Das Abendessen besteht heute leider nur aus zwei leckeren Müsliriegeln. Es ist schwer in den Schlaf zu finden, die Geräuschkulisse mit der doch nicht so weit entfernten Autobahn und dem natürlichen Leben der Wiesen und Wäldern ist nicht ohne. Jetzt erweisen sich die Ohropax als erstaunliches Schlafmittel. Der Blick auf Milchstraße lässt mich innerhalb kurzer Zeit ins Reich der Träume gleiten. Leider muß ich nur ein paar Stunden später feststellen, daß es mit 8 Grad und aufsteigendem Nebel doch empfindlich kalt und nass unter freiem Himmel werden kann – der Leichtschlafsack (von Aldi) hält hier leider nicht annähernd seinen Versprechungen stand. So mußte gleich in der ersten Nacht auch noch die Rettungsdecke aus dem Rucksack und mich mit etwas Wärme versorgen. Immer noch kalt aber geht schon.

Der erste Tag ist geschafft und hat mich fast 700 km näher an mein Ziel gebracht. Gute Nacht!

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