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Es fing an mit einem Elternabend. Ein Medienpädagoge sollte die medialen „Stolpersteine“ in einem kurzweiligen Vortrag erläutern.

Bereits der Titel verschaffte mir persönliche Magenschmerzen „Web 2.0 und die Gefahren im Internet“. Warum ist das so schlimm?

Erstens: Web 2.0, ein Begriff aus dem Jahre 2003 ist schon lange überholt. Wo wir uns derzeit befinden ist für mich noch etwas nebulös und um den Quatsch mit der Nummerierung weiterzutreiben ist es eher was von 3. … 4. … 5…

Zweitens: Kurz und bündig – das Internet ist keine Gefahr, wenn überhaupt dann ist es fehlende digitale Bildung und die Unkenntniss der technischen und kommunikativen Möglichkeiten.

OK, es kam der Elternabend und welch Erstaunen, ausser den üblichen Lehrkräften der Führungsspitze war keine einzige Lehrkraft anwesend. Vermutlich sind diese bereits fit in dem Themengebiet der digitalen Welt (dazu an anderer stelle mehr). Den Beginn des Abends machte die Aussage  „Das Internet ist gefährlich“. Ich möchte bereits wieder aufstehen und gehen, aber als Elternbeirat habe ich das Thema ja mitiniziiert, also muß ich bleiben. Und bevor ich des Saales verwiesen werde halte ich einfach mal mein oft zu schnelles Mundwerk. Wir bekommen dann als Einstieg einen Social Media Counter gezeigt, dessen Originalversion aus 2009 ist. Jetzt kommen wir zum präsentationstechnischen Highlight – 14! Ja 14! Folien voller schlecht bis gar nicht lesbarer Balkendiagramme. Und das Schöne, es ist eine Studie aus 2013, auch das geht sehr wahrscheinlich an der Geschwindigkeit der heutigen Mediengesellschaft, gerade unserer Digital Natives, ziemlich vorbei.

Dann kommt noch kurz das Thema Facebook. Natürlich auch „B Ö S E !“ Damit die besorgten Eltern aber wissen wie es geht werden wir mit Anleitungen aus dem Jahr 2011 abgespeist. Ganz ehrlich, wenn ich über das Thema referieren möchte sollte ich schon auch die technische Seite und zwar die aktuelle verstehen, kennen und vermitteln können und nicht nur YouTube-Videos auf die wirklich oft überforderten Eltern loslassen.

Zur Verdeutlichung wurde uns dann noch ein Video, mit einem völlig verrückten, ca. 10 jährigen Jungen, welcher aufgrund eines Spielfehlers seinen Computer zerstört, vorgeführt mit dem Kontext – das machen Spiele und das Internet aus euren Kindern.

JETZT REICHTS – Ich muss doch was sagen und frage den Medienpädagogen ob er nicht der Meinung ist, dass hier bei ganz, ganz anderen vielen Dingen in der Erziehung was falsch gelaufen ist. Ich glaube nämlich nicht, dass es normal ist, dass ein Kind den Duden der Schimpfwörter auswendig kann und dabei einen Ego-Shooter in sich reinzieht. Oder sollte doch die pure Existenz des Netzes daran schuld sein?

Es wird noch kurz auf den Film „Tanz der Teufel“ aus den 80er hingewiesen, ich verstehe gar nichts mehr und wir kommen ohne Umschweife zur Thematik der standortbezogenen Datenwut oft auch Location Based Services genannt. Die sind übrigens noch schlimmer wie das Internet. Beginnen wir mit dem Urlaubspost und die dadurch generierte Einbruchswelle. Die Einbrecher wissen jetzt endlich, dass wir nicht da sind. War das nicht mal eine Bildschlagzeile? Wechseln direkt zum Thema Pädophilie und beenden das Thema am Taksinplatz. Skurrile Mischung mit teilweise schlichtweg falschen,  verdrehten oder seltsam interpretierten Informationen.

Zu guter Letzt noch Medienrecht und der Versuch, die CC noch unverständlicher zu machen. Es ist geschafft, zwei Stunden wurde uns das Böse vor Augen geführt und ich denke seitdem lange darüber nach.

Ich kann das nicht verstehen. Ich lebe Social Media und das muss sicherlich nicht jeder. Aber wie wäre es mal, die ganzen positiven Seiten der weltweiten Vernetzung aufzuzeigen. Die Chance die sich auch für unsere Kinder (wenn Sie es denn wollen) ergeben können, darzulegen und in einem positiven Gesamtkontext auf die Stolpersteine hinzuweisen. Sobald unsere Kinder auf´s Fahrrad steigen und mit dem Schwimmtraining beginnen sagen wir ja auch nicht das ist böse, sondern vermitteln ihnen den Spass und sagen pass hier und da auf. Bei der ersten Schramme am Knie sorgen wir uns fürsorglich aber geben die Schuld nicht dem Fahrrad … oder?

Lasst uns Medienkompetenzen und vielleicht sogar Programmierung in den Schulen und vor allem Zuhause lehren. Die Voraussetzung dafür ist aber auch, dass wir uns alle zumindest mit dem Thema beschäftigen müssen und vielleichtt sogar Gefallen an der einen oder anderen Systematik der digitalen Welt finden.
Aber nein, wenn surfen dann bitte „nur“ mit „blinde Kuh“ und Co. damit du zur Sicherheit keinen Plan von der Wissenstransformation verstehst.

Und das war erst der Elternabend. In der gleichen Woche wird der Medienlöwe auf unsere Kinder der vierten Klassen losgelassen. Dazu muß ich aber einen extra Beitrag schreiben.

Was das Thema Medien in Grundschule angeht komme ich langsam in die Resignationsphase. Schade eigentlich. Wem fällt was ein, was können wir Vernünftiges tun? Das Thema einfach so hinzunehmen widerspricht mir.

Any help?

Frustrierte Grüße

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